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Reto Leibundgut

1966
Geschlecht
männlich
Typ
Person
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Biografie
Wenn Reto Leibundgut (*1966, Büren zum Hof) das tut, was er seit Beginn seiner Künstlertätigkeit tut – sich Dingen zuzuwenden, die andere Menschen auf Flohmärkten loswerden wollen oder als Gratisgut auf der Strasse entsorgen –, kann dies einerseits als löblich angesehen werden. Doch durch ebendiesen Prozess des Zerschneidens und Dekonstruierens provoziert er andererseits auch, weil er beispielsweise edle und traditionsreiche Artefakte wie Gobelins zerschneidet und die Stücke wie bei einer Patchworkdecke neu zusammennäht. Provokant, jedoch auch humorvoll, sind auch pornografische Motive, die nicht nur in den Stickereien wiederholt vorkommen. Wie alle seine Ausgangsmaterialien entnimmt Reto Leibundgut auch die Gobelins seinem unermesslichen Fundus an zusammengetragenen, gesammelten Objekten. Die Gobelin-Stickereien begann er vor Jahren zu sammeln, weil ihn die als bieder und eigenartig empfundenen Stickereien mit den oft verschnörkelten, blumigen Motiven aufgrund ihrer sorgfältigen Herstellung anrührten. Das Zerkleinern, Verschneiden und Neu-Zusammenfügen beschränkt sich bei Leibundgut nicht auf textile Materialien. Er zersägt er auch alte Holzmöbel und Bettgestelle, um sie sorgfältig zu perfekt ineinandergefügten Reliefs und Intarsien zu verarbeiten. Reto Leibundgut vermag es, die durchaus brutalen Zerstörungsmomente im Schaffensprozess im neu zusammengefügten Werk perfekt zu tarnen. Die Einzelteile setzen sich detailgenau und stimmig an- und nebeneinander, so dass die Schnittstellen höchstens noch als sanfte Verschiebung wahrnehmbar sind und die Werke eigenständig für sich stehen können. Inhaltlich setzt sich der aus Thun stammende und seit vielen Jahren in Basel lebende Künstler gern mit bürgerlicher Wohnkultur sowie gesellschaftlichen Tabus auseinander, die er kritisch betrachtet und als solche entlarvt.