Hermann Scherer
Mutter und Kind, 1924
Personen
Datierung
1924
Kategorie
Unterkategorie
Material / Technik
Lärchenholz
Masse
Objektmass: 154.5 x 42 x 51 cm
Zugang
Auftrag für eine Freiplastik vor der Hauptfassade der Marienkirche, 1924 (Ankauf Holzmodell)
Inventarnr.
703
Copyright
Martin Bühler
Beschreibung
Die „Madonna“ ist „Männi“ Scherers einzige Holzskulptur, die er als Auftragsarbeit ausführte. Im Programm des Staatlichen Kunstkredits für das Jahr 1924 wurde der in Rümmingen im Kandertal geborene Künstler eingeladen, für die römisch-katholische Marienkirche an der Holbeinstrasse in Basel eine „freistehende Figur oder Gruppe auf einem dazu zu errichtenden Postament zu schaffen“.
Scherer, der mit kirchlicher Frömmigkeit nichts zu tun hatte, lehnte die sentimental-verunklärende Kunst, wie sie vor allem die Kirche des 19. Jahrhunderts zur Ausschmückung ihrer Gotteshäuser in Auftrag gegeben hatte, ab. Der innere Konflikt, der ihm dieser Auftrag bescherte, konnte er nur lösen, indem er ein religiöses Werk schuf, das den Zweifeln und der Zerrissenheit des modernen Lebens Rechnung trug. An seinen Freund Albert Müller schrieb er im Juli 1924: „Da es im Motiv so etwas anderes ist, als was ich in letzter Zeit gemacht habe, ist mir auch etwas unbehaglich zumute und ich kann dir nicht sagen, ob es gut oder schlecht wird oder ob es fähig ist, angenommen zu werden.“ An der fertigen Holzskulptur, die Scherer als 1:1-Modell für die Ausführung in Stein einreichte, war dann keine Unsicherheit mehr im Umgang mit religiöser Kunst zu erkennen. Maria steht mit traurigem Gesicht hinter dem Jesuskind, das mit weit aufgerissenen Augen in die Ferne schaut. Sie versucht ihn mit beiden Händen zurückzuhalten, sein Fortgehen zu verhindern. Scherer stellte jenen Moment im Leben Christi dar, in dem er sich von seiner Mutter trennte, um seine Berufung anzutreten. Die ärmlichen und groben Figuren wirkten damals auf die Betrachtenden wie Zeitgenossen. "Proletariermadonna“ wurde die Marienfigur genannt.
Scherer war mit seiner Arbeit zufrieden. An Müller schrieb er: „Es ist sicher eine von meinen besseren Arbeiten, aber ob`s durchkommt, scheint mir sehr zweifelhaft. Ich habe da versucht, das Motiv der Madonna mit dem Christusknaben auf moderne Art zu gestalten.“ Seine Befürchtung bewahrheitete sich im Oktober 1924: Die Gemeindeversammlung St. Marien wies das Geschenk des Staatlichen Kunstkredits zurück. Die Kunstkreditkommission kaufte daraufhin die Holzskulptur „ihrer künstlerischen Qualität wegen“ zum Preis von CHF 5000 und deponierte sie im Kunstmuseum.
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